Vera F. Birkenbihl war die einzige wirklich bekannte Frau in einer Männerdomäne, füllte Seminarsäle in ganz Europa und hat mit ihren Methoden Generationen von Lernenden verändert. Wer war Vera F. Birkenbihl – und warum begeistert sie auch heute noch Millionen von Menschen?

»Werden Sie vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer!«

Vera F. Birkenbihl (1946–2011)

Eine Kindheit, die nicht ins System passte

Vera Felicitas Birkenbihl wurde am 26. April 1946 in München geboren. Ihr Vater Michael Birkenbihl war Unternehmensberater und Personal-Trainer – und Autor des damals international erfolgreichen Buches »Train the Trainer«, das in Fachkreisen gerne als »Bibel im Trainingsbereich« bezeichnet wurde. Man könnte meinen, Vera sei in ein Bildungsparadies hineingeboren worden. Doch die Wirklichkeit sah anders aus.

Schon mit 13 Jahren erkannte sie, dass sie in der Schule nicht lernen konnte – zu Hause hingegen sehr wohl. Ihre hartnäckigen Fragen brachten sie im starren Unterricht immer wieder in Konflikt mit ihren Lehrern. Sie selbst sagte später offen, sie sei »am Schulsystem gescheitert«, weil sie mit der »sturen Paukerei« nicht klarkam. Mit 17 Jahren brach sie schließlich das Gymnasium ab – ein mutiger Schritt, der ihr ganzes weiteres Leben prägen sollte.

Neustart in den USA

Mit 19 wanderte Vera F. Birkenbihl in die Vereinigten Staaten aus. Der Grund war pragmatisch: Dort konnte man auch ohne Abitur studieren, wenn man einen speziellen Zulassungstest bestand. Bis es so weit war, hielt sie sich mit Aushilfsjobs über Wasser – unter anderem arbeitete sie zeitweise als Toilettenfrau. Nebenbei verbesserte sie autodidaktisch ihr Englisch.

Nach dem erfolgreichen College-Entrance-Test begann sie ein Studium der Psychologie und des Journalismus. 1967 heiratete sie den Computertechniker John H., die Ehe wurde jedoch bald wieder geschieden. Ab 1969 begann sie, eigene Lerntechniken zu entwickeln – und von 1970 an bot sie in den USA erste Seminare zum Thema »Lernen lernen« an. In dieser Zeit entstand auch das Konzept zu ihrem späteren Longseller »Stroh im Kopf?«.

Rückkehr nach Deutschland – und der Beginn einer Legende

1972 kehrte Vera F. Birkenbihl nach Deutschland zurück. Im Jahr darauf, 1973, gründete sie das Institut für gehirn-gerechtes Arbeiten – eine Institution, die sie bis zum Ende ihres Lebens leiten sollte. Ihr Vater Michael begleitete sie in den Anfangsjahren als kritischer Sparringspartner. Nach seinem Tod übernahm sie es übrigens, sein berühmtes Werk »Train the Trainer« zu aktualisieren.

Vera war ab jetzt unterwegs. Wirklich unterwegs. Mit ihrem legendären Büromobil tourte sie durch Europa, hielt Vorträge, führte Seminare durch, schulte Firmen und coachte Manager. Sie füllte ganze Säle – und das zu einer Zeit, in der sie als Frau in der Trainer- und Motivationsszene eine absolute Ausnahmeerscheinung war. Tatsächlich galt sie lange als die einzige wirklich bekannte Frau unter den großen Management- und Motivationstrainern im deutschsprachigen Raum.

 »Gehirn-gerecht« – ihr Markenzeichen

Ende der 1990er-Jahre prägte Vera F. Birkenbihl den Begriff, der zu ihrem Markenzeichen werden sollte: gehirn-gerecht. Die Übersetzung stammt vom englischen »brain-friendly« – und sie meinte damit etwas ganz Konkretes: Lernen und Lehren so zu gestalten, wie das menschliche Gehirn tatsächlich funktioniert. Nicht gegen seine Natur, sondern mit ihr.

Daraus entwickelte sie im Laufe der Jahre einen bunten Strauß an Methoden und Werkzeugen, die heute Kult sind:

  • die ABC-Liste als Kreativ- und Assoziationstechnik
  • die KaWas (kreative Analograffiti zu Wörtern)
  • die KaGas (kreative Analograffiti zu ganzen Themen)
  • das Inselmodell zur Erklärung von Kommunikation zwischen Menschen
  • und natürlich die nach ihr benannte Birkenbihl-Methode zum Sprachenlernen

Letztere wurde ab Mitte der 1980er-Jahre zu ihrem bekanntesten Export. Der Grundgedanke: Das Gehirn soll eine Fremdsprache ähnlich lernen wie die Muttersprache – ohne stures Vokabelpauken und ohne Grammatik-Drill. Stattdessen arbeitet man mit einer Wort-für-Wort-Dekodierung, mit aktivem und passivem Hören und erst später mit Sprechen, Lesen und Schreiben. Eine Idee, die bis heute polarisiert – und bis heute funktioniert.

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Die Autorin, die Medien­persönlichkeit, die Unternehmerin

Vera F. Birkenbihl war nicht nur Seminarleiterin. Sie war auch eine unglaublich produktive Autorin. Über 40 Bücher hat sie im Laufe ihres Lebens veröffentlicht – darunter Klassiker wie »Stroh im Kopf?«, »Kommunikationstraining«, »Trotzdem lehren«, »Birkenbihl on Management«,  »Best of Birkenbihl« oder »Sprachenlernen leichtgemacht!«. Bis zum Jahr 2000 hatte sie bereits zwei Millionen Bücher verkauft; die Gesamtauflage ihrer Bücher, Hörbücher und Video-Trainings liegt heute bei über drei Millionen Exemplaren.

Sie schrieb regelmäßig für namhafte Medien wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, den Harvard Business Manager und das Magazin Gehirn & Geist. 1999 war sie als Expertin in der BR-alpha-Sendereihe »Alpha – Sichtweisen für das dritte Jahrtausend« zu sehen. 2004 startete sie beim Bayerischen Rundfunk ihre eigene Sendung »Kopfspiele«, in der sie in 22 Folgen ihre Lernkonzepte einem breiten Fernsehpublikum vorstellte. Lange bevor es überhaupt einen Begriff dafür gab, praktizierte sie das, was wir heute Infotainment nennen: Wissen, vermittelt mit Herz, Humor und Haltung.

Ihr Erfolg blieb nicht unbemerkt: 2008 wurde Vera F. Birkenbihl in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. 2010 erhielt sie den Coaching Award für »Besondere Leistungen und Verdienste«.

Der Mensch hinter der Methode

Was Vera F. Birkenbihl auszeichnete, war nicht nur ihr Wissen, sondern ihre Art, es zu vermitteln. Sie konnte hochkomplexe neurowissenschaftliche Zusammenhänge in wenigen Minuten so erklären, dass jeder im Saal sie verstand – mit Klarheit, Humor und einer Leichtigkeit, die ihr Publikum begeisterte. Sie pflegte einen unverwechselbaren Stil: oft in Sweatshirt, Jeans und Turnschuhen, gerne mit ihrem berühmten »Up another level«-Shirt, das sie in zahlreichen Seminaren trug. Glamour war ihre Sache nicht. Substanz schon.

Sie war auch eine Querdenkerin durch und durch. Sich selbst überprüfte sie ständig, verwarf eigene Fundamentalsätze, wenn sie Neues gelernt hatte, von heute auf morgen. Ihre Themenfelder waren weit gestreut: gehirn-gerechtes Lernen und Lehren, analytisches und kreatives Denken, Kommunikation, Management, Persönlichkeitsentwicklung, Numerologie, pragmatische Esoterik, gehirnspezifische Geschlechterunterschiede und Zukunftstauglichkeit. Ihr Credo, das bis heute viele ihrer Fans auswendig kennen: »Lernen muss geil sein!«

Über eine halbe Million Menschen haben ihre Seminare und Vorträge persönlich besucht. Ihr Publikum kam aus Schulen und Universitäten ebenso wie aus Banken, Versicherungen, Wirtschaft, Verwaltung und Politik.

Die letzten Jahre

2008 zog Vera F. Birkenbihl nach Osterholz-Scharmbeck in Norddeutschland. Im Frühjahr 2011 wurde bei ihr Speiseröhrenkrebs diagnostiziert und sie unterzog sich einer Operation. Bemerkenswert: Schon während ihres Krankenhausaufenthaltes plante sie neue Seminare und führte sogar eines davon online durch – zum Thema Behandlungsqualität, für Ärzte und Pflegekräfte. Auch in der Schweiz hatte sie bis kurz vor der Diagnose jährlich ein Tagesseminar gegeben.

Sie schien auf dem Weg der Besserung zu sein. Doch am 3. Dezember 2011 verstarb Vera F. Birkenbihl völlig unerwartet im Alter von nur 65 Jahren an einer Lungenembolie in Osterholz-Scharmbeck. Ihr Urnengrab befindet sich auf dem Friedhof im Nachbarort Hambergen.

Ihr Vermächtnis lebt weiter

Vera F. Birkenbihl ist tot – ihre Ideen leben. Ihre Bücher erscheinen beim Klarsicht Verlag in sorgfältig überarbeiteten Neuauflagen, ihre Seminar-Videos werden als DVDs wiederveröffentlicht und die beliebten Birkenbihl-Sprachkurse sind inzwischen auch als MP3-Download und Onlinekurs verfügbar.

Ihre legendären Seminar-Aufzeichnungen wurden in hoher Qualität neu aufgearbeitet und stehen auf birkenbihl.tv als Streaming zur Verfügung. Auf YouTube erreichen ihre Vorträge ein wachsendes Publikum, und auch auf Instagram entsteht gerade eine neue Präsenz, die ihr Werk einer jüngeren Generation zugänglich machen soll. Ihre Methoden halten in immer mehr Schulen Einzug, und ihre Arbeit wird von einem engagierten Kreis von Trainern, Autoren und Bildungsinteressierten weitergetragen.

Und wenn du dich fragst, warum ausgerechnet sie – eine Schul­abbrecherin aus München zur populärsten Management-Trainerin Deutschlands werden konnte, dann lautet die Antwort vielleicht genau so:

Weil sie nie aufgehört hat, neugierig zu sein. Weil sie den Mut hatte, Fragen zu stellen, die andere nicht stellen wollten. Und weil sie wusste, dass jeder Mensch ein Gehirn hat – und dass es Zeit wird, vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer zu werden.

Ihre Bücher, ihre Seminar-Videos und ihre Sprachkurse sind dein Schlüssel dazu. Schau dich in Ruhe um – und lass dich von einer der klügsten und warmherzigsten Lehrerinnen begleiten, die der deutschsprachige Raum je hervorgebracht hat.

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